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Winfred Gaul / Pop Art

 
Winfred Gaul – der als angehender Student die Nähe zum richtungweisenden Abstrakten Willi Baumeister in Stuttgart gesucht und frühe Erfahrungen mit dem Informel gemacht hatte – war ein Proteus der Kunst: Unermüdlich unterwarf er seine Bildsprache einer stets neuen Konzeption. Nachdem sich die letzte Gaul-Ausstellung der Galerie Schlichtenmaier 2012 auf das frühere, insbesondere informelle Werk konzentrierte, liegt das aktuelle Augenmerk zum einen auf den Arbeiten im Umfeld der Pop Art, dessen deutsche Spielart der Künstler in den frühen 1960er Jahren begründete, zum anderen auf den zeichenhaften Farb-Form-Kompositonen bis in die 1970er Jahre hinein.

Inspiriert von längeren Aufenthalten in Rom und New York, erkannte Winfred Gaul die Signalwirkung der Alltagsästhetik und die Prägung durch die marktorientierte Wertethik – Verkehrszeichen einerseits und die massenmedialen Reize der Werbung andrerseits erregten seine Aufmerksamkeit, ähnlich wie auch die seiner Zeitgenossen Pfahler, Hajek oder Brüning. Während aber Georg Karl Pfahler das Hard Edge in Deutschland verankerte, zog Gaul alle Register zwischen jener farbbetonten, informationsästhetischen Kunst der ›harten Kante‹ und den in Mischtechnik gehaltenen, teilweise collagierten Inkunabeln der Alltagskultur. Radikaler selbst als die US-amerikanischen Künstler – zeitgleich etwa Frank Stella – lotete Gaul die Möglichkeiten der sog. Shaped Canvases (einer motivabhängig mitgestalteten Form der Leinwand) aus: auf die Ecken gehängte Quadrate, Rautenformen, Polykaeder, Ovale kommen genauso vor wie freie geometrische Gebilde und doppelseitigen Holztafeln, die sich zu Rauminstallationen ausweiten können.

Bei aller kategorischen und formalen Vielfalt sowie der Verweigerung stilistischer Stringenz zeigt die Ausstellung, zu der ein Katalog erscheint, aber auch Konstanten, die das Werk Gauls – des zweimaligen documenta-Teilnehmers (1959, 1977) – zu einer festen Größe in der jüngeren Kunstgeschichte machen.

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